Geheimwaffe oder Wunderwerkzeug? Der Reformer von Joseph H. Pilates.

Beides trifft zu. 

Der Reformer und seine "Freunde" aus den Gerätschaften von Joseph Pilates ist in Deutschland so ziemlich unbekannt. Ich würde fast meinen: der Reformer ist bei uns tatsächlich ein Geheimnis. Zahlreiche KundInnen versuchen ihren Bekannten zu erklären, was sie hier Woche für Woche tun. Wollen erklären, weshalb es ihnen so wundervoll geht. Aber niemand kann es verstehen, weil es niemand kennt.

 

Der Reformer und seine "Freunde" aus den Gerätschaften von Joseph Pilates sind so genial gebaut, dass sie exakt das erfolgreich bekämpfen, was der moderne Mensch verloren hat: Muskelkraft, Dehnungsfähigkeit, Bewegungsverständnis und Leistungsfähigkeit. Also sehe ich diese auch als Wunderwerkzeug. Und tatsächlich erleben von Woche zu Woche alle KundInnen das Wunderwerk an ihrem eigenen Körper.

Was aber macht diese Geräte so einzigartig?

Zunächst sind die Pilatesgeräte noch ursprünglich. Keine Schnörkel oder Hilfseinrichtungen schmälern die Benutzung. Das macht diese Geräte zwar auch etwas gefährlich, aber in einem Pilatesstudio trainiert man nie ohne die Adleraugen der Trainerpersönlichkeit. 

Doch genau diese Einfachheit ist das Besondere. Muskeln arbeiten wie Federn, Bindegewebe arbeitet wie Federn. Im Sinne von Lang- und Kurzzug verrichten sie ihre Arbeit. Halten das gesamte Skelett und dessen Gelenke zusammen, bringen die Knochen aber auch in Bewegung. Wenn man nun diesen Arbeitsmechanismus unterstützen und fördern möchte, dann wäre die Wahl ein Federmechanismus. Und genau das haben die Pilatesgeräte. Das Gegengewicht ist keine Stahlplatte, sondern das eigene Körpergewicht und der Wagen, auf dem man liegt, sitzt oder steht. So wie das Arbeitsgewebe des menschlichen Körpers arbeitet, so reagieren die Federn dieser Geräte.

Der zweite Garant für Wundervolles sind die Übungen auf den Geräten an sich. In allen drei Dimensionen wird der Körper durch diese Übungen in Form und Leistung gebracht. Typisch Pilates wird stets im vollen Bewegungsprektrum der Gelenke gearbeitet und durch den Federwiderstand ist stets Dehnungsarbeit und Kraftarbeit in der Muskulatur zu erwarten. Anders ausgedrückt: der Muskel wird kräftig wenn er zieht UND wenn er sich dehnt. Sein "Mantel" - die Faszie - macht jede Bewegung mit.

Und genau das benötigen moderne Menschen - selbst wenn diese Sportler sind - Muskeln, die in allen Dimensionen funktionieren und von Faszien/Bindegewebe umhüllt sind, welche allen Bewegungen nachgeben kann.

Das Wunder oder das Geheimnis bezieht sich folglich nicht nur auf bewegungsarme, orthopädisch/neurologisch Erkrankte, sondern auch auf Sportler und Leistungssportler. Bei jedem Trainierenden wird sich das optimieren, was heute noch im Argen liegt.


Beispiele

Deine Füße sind die Basis für deinen ganzen Körper! Sind diese unbeweglich, verspannt, verformt, hat dies unweigerlich Auswirkungen auf deinen restlichen Körper. Das hat auch Joseph erkannt und hat seinem Reformer keine Fußplatte gegeben, sondern einen "fiesen" Holm. An diesem Holm werden die Füße auf korrekte Weise anmodelliert. Das kräftigt die Füße und macht sie geschmeidig. Aber zugegeben: am Anfang sind viele viele Menschen am jammern. Dadurch die wenigsten Menschen noch gesunde, flexible Füße haben, geht die exzellente Korrektur leider oft nur über anfängliche Schmerzen. Aber ist diese Hürde überwunden steht der Mensch auf ganz anderen Füßen, kräftigen Füßen. Du wirst in keinem Fitnessstudio auch nur ein ähnliches Gerät finden und deshalb deine Basis nie trainieren können.


Auf dem Reformer wird bei einigen Übungen mit einer Box gearbeitet. Bei der zu sehenden Übung werden die Hamstrings gestärkt. Ja....so etwas ähnliches steht auch im Fitnessstudio. Aber der enorme Unterschied: auf der Box musst Du die Stabilität im Beckenbereich selbst erzeugen und halten. Und das ist nicht so einfach: Du kannst dich nirgendwo festhalten. Einzig Körperspannung ist hier das Gegengewicht für die Übung. Und so werden, wie bei den meisten Übungen eben nicht nur die Hamstrings gestärkt, sondern der gesamte Körper. Die Trainerpersönlichkeit ist hier elementar, denn diese macht Dich darauf aufmerksam, wenn Du beginnst zu schummeln und durch Hinzunahme "falscher" Muskelgruppen zu kompensieren versucht.

Klingt nach nichts Besonderem? Mhm...Kompensationsmechanismen sind oft der Grund für Schmerz und Probleme.


Aufrichtung...ein Drama! Ich kenne nur wenige Menschen, die sich spontan mit einem absolut geraden Rücken aufrichten können. Entweder fällt die Lendenwirbelsäule in ein Hohlkreuz oder wie auf diesem Bild duckt sich die Schulterpartie nach vorn = Rundrücken. Das sind statisch sehr ungünstige Rückenpositionen und haben IMMER negative Kraftwirkungen auf die Zwischenwirbelgelenke und somit auf die Bandscheiben. Ein aufrechter Rücken geht mit einer optimalen Kraftverteilung auf die Wirbelsäule einher. Das konsequente Training auf den Geräten, wie dem Reformer,  hilft den Menschen diese Aufrichtung wieder aktiv und wie selbstverständlich herbei zu führen. Und zwar in allen Körperpositionen: auf dem Rücken liegend, im Sitzen, kniend, im Liegestütz, mit Beinen über dem Kopf und im Stehen.


Mobilisation der Wirbelsäule ist eines der wichtigsten Ziele beim Pilates Training. Bei dieser Übung wird die untere Wirbelsäule - die Lendenwirbelsäule mal so richtig auseinander gezogen. Das klingt vielleicht sehr ungut, tatsächlich aber entsteht dadurch in den Zwischenwirbelgelenken etwas mehr Platz und alle Strukturen dort können sich von einem eventuellen unschönen Druck erholen. So ganz nebenbei aber werden die Muskeln und Sehnen der Beine in die Länge gezogen und die Kraft in der Bauchmuskulatur gesteigert. Eine wundervolle Übung, die man schnell lernt und dann nie wieder missen möchte. Name der Übung: Short spine massage. Aber auch eine Übung die die Adleraugen der Trainerpersönlichkeit bedarf. Schummelalarm!


Sehr viele Menschen verspüren in der seitlichen Struktur der Beine einen unguten Zug, um nicht sogar von Schmerzen zu reden. Der Grund ist meist eine Verkürzung des sogenannten Ilio-Tibial-Traktes. Dieser wird als "Pflichtaufgabe" immer mit bedacht. Hat man anfangs das Gefühl die Arme seien zu kurz und alles "fliegt auseinander", so ändert sich dies durch konsequentes Training nachhaltig. Irgendwann führt die Person diese Übung ohne mit der Wimper zu zucken aus und hat dadurch nie wieder Probleme in der benannten Struktur. Hier kann man tatsächlich eine kleine Verwandtschaft des Pilates mit Yoga erahnen. Denn beim Yoga macht man ähnliche Übungen für dieselbe Struktur. Nur auf dem Gerät ist sie spannender.


Die Pflichtübung Hundred taucht in jedem Training auf. Bis man diese wirklich perfekt kann dauert es einige Zeit. Aber sie hat es auch in sich, vor allem auf dem Gerät. Ziel ist es zunächst den Kreislauf in Schwung zu bringen. Sekundär jedoch kann man es schon beim Anblick des Fotos erahnen: die Übung stärkt die Bauchmuskulatur. Solange die Bauchkraft noch nicht bei 100% ist, wie bei dieser Person, schafft man es kaum den Rücken auf der Matte zu halten. Mit Gewinn an Kraft jedoch bekommt man die Kontrolle über seine Mitte. Und genau darum geht es im Kern immer beim Pilates: alles kontrolliert aktivieren zu können. Kann man 100, dann ist das muskuläre Korsett des unteren Rückens so stabil, dass Rückenschmerzen nur noch sehr sehr selten zu spüren sein werden.


Schultermobilität. Es ist ein Desaster, wie bewegungsunfähig die Mehrheit der modernen Menschen in den Schultern sind. Natürlich ist auch die Kraft in den Armen an sich bedauernswert. Auch schon zu Pilates Zeiten scheint dies so gewesen zu sein. Denn er hat eine ganze Serie an Übungen speziell für die Schultermobilisation in seine Übungsreihen eingebaut. Diese Person weiß um ihre Potentiale ihrer Schulter und kämpft sich diszipliniert durch die Übung Into the sternum. Es ist bemerkenswert, wie schnell diese Übungen die Probleme im Schultergürtel beseitigen und wie flüssig die Bewegungen von Training zu Training werden. Die im Alltag oft auftretenden Beschwerden gehen damit auch verloren.

Zertifiziert durch und Mitglied im Deutschen Pilates Verband e.V.